Gesellschaft für künstlerische Forschung in der Bundesrepublik Deutschland

Die Gesellschaft für künstlerische Forschung in Deutschland (gkfd) fördert, vernetzt und repräsentiert künstlerisch Forschende bundesweit. Die gkfd versteht sich als Ort des Austauschs über die spezifischen Formen und Verfahren der künstlerischen Forschung sowie der Reflexion auf die zunehmende Bedeutung von Kunst für das Wissen in der Gesellschaft. Sie unterstützt den professionellen Austausch und richtet sich als Bundesverband von künstlerisch Forschenden an die Öffentlichkeit und Politik. Zu den Aktivitäten der gkfd gehören die Ausrichtung von Festivals und Symposien, die Veröffentlichung und Verbreitung von Werken künstlerischer Forschung und der Einsatz für die Verbesserung von Förderungsmöglichkeiten.

Die Gesellschaft für künstlerische Forschung in Deutschland hat sich als gemeinnütziger Verein und Bundesverband im Jahr 2018 gegründet. Unter den Gründungsmitgliedern sind namhafte Künstler_innen, Kurator_innen und Theoretiker_innen, die das Gebiet der künstlerischen Forschung seit Jahren mit ihrer Arbeit prägen. In Arbeitsgruppen haben sich die Mitglieder zu Schwerpunkten im Feld der künstlerischen Forschung, zu ihrer Entwicklung und Konturierung zusammengetan. Außerdem vernetzen Ländergruppen Personen und Institutionen der künstlerischen Forschung auf Länderebene.


Aktuelles


Radikale Passivität: Politiken des Fleisches
Radical Passivity: Politics of the Flesh

11. Sept.– 1. Nov. 2020 Sept 11–Nov 1, 2020

Jimmy DeSana, Sophia Eisenhut/Christian Kölbl, Till Gathmann, Oliver Husain/Kerstin Schroedinger, Jeroen Jacobs, KAYA, Richard Kern/Lydia Lunch, Jutta Koether, Andreas Langfeld, Deana Lawson, Lee Lozano, N.O. Madski, Sidsel Meineche Hansen, Henrik Olesen, Ovartaci, Vika Prokopaviciute, Protektorama (cared for by J.P. Raether), Eran Schaerf, Alina Szapocznikow, Paul Thek, Wu Tsang, Clemens von Wedemeyer, Marianne Wex, Andrea Winkler.

Szene Ästhetiken der Affizierung
Scene 1 Aesthetics of Affect

Sept., ab 13 Uhr Sept 11, from 1 p.m.

Szene Digitale Fleischlichkeit
Scene 2 Digital Corporeality

Okt., ab 17 Uhr Oct 2, from 5 p.m.

Szene Politiken des Fleisches
Scene 3 Politics of the flesh

Okt., ab 17 Uhr Oct 16, from 5 p.m.

Das Veranstaltungsprogramm zu den Eröffnungen der Szenen finden Sie unter: ngbk.de Eine Online-Anmeldung ist notwendig. For the program of events at the openings of each scene please visit: ngbk.de Online registration is required.

neue Gesellschaft für bildende Kunst
Oranienstraße 25, 10999 Berlin

Täglich 12–18 Uhr, Fr 12–20 Uhr
Daily 12 a.m.–6 p.m., Fri 12 a.m.–8 p.m.

Die Ausstellung widmet sich in drei aufeinander folgenden ›Szenen‹ neuen Formen von Sensibilität und Fleischlichkeit in den Künsten. Das thematische Spektrum reicht von Auseinandersetzungen mit Schmerz, Sucht und Erregung (1. Szene) über die Idee eines neuen digitalen Fleisches (2. Szene) bis hin zu Fragen nach der gesellschaftlichen Formierung einer nicht mehr subjektzentrierten Empfindsamkeit (3. Szene). Ausgangspunkt für die Ausstellung ist Paul B. Preciados biopolitische These, die Machtform der heutigen Gesellschaft sei ›pharmakopornografisch‹: Die Weise, in der man gegenwärtig subjektiviert wird, verlaufe zum einen über Pharmazeutika – gemeint sind Medikamente, Hormone, Aufputschmittel, Tranquilizer und Drogen. Zum anderen funktioniere die heutige Machtform über Erregung, wobei nicht nur die Pornoindustrie gemeint ist, sondern auch andere gesellschaftliche Mechanismen, die der masturbatorischen Logik: ›Erregung – Frustration – Erregung‹ gehorchen. Adressat dieser Regulierungen ist das sensible Fleisch in seiner nervlichen Ausgesetztheit, Passibilität und Verwundbarkeit.
Die gezeigten künstlerischen Arbeiten exponieren die Zusammenhänge von Macht, Krankheit, Sex, exzessiver Empfindsamkeit und Kunst. Sie lenken die Aufmerksamkeit auf das Unwillkürliche und Hinfällige und hinterfragen Politiken der Affizierung. Neben Werken aus den 1960er und 1980er Jahren werden vor allem zeitgenössische Positionen gezeigt, die dasjenige thematisieren, was in Kunst und Leben nicht Gegenstand der Wahl und nicht im Möglichkeitsspielraum des Einzelnen vorgezeichnet ist. Schwäche, Altern, Erschöpfung oder Sterblichkeit, aber auch Geburt, Verletz- und Erregbarkeit sind Phänomene radikaler Passivität, die in ihrer künstlerischen Brechung als Kritik an einer unterstellten Regierbarkeit des fleischlichen Seins zu verstehen sind.

In three ›scenes‹ the exhibition deals with new forms of sensibility and corporeality in the arts. The themes range from discussions of pain, addiction and arousal (scene 1), to the idea of a new digital corporeality (scene 2), to questions of the social shaping of a no longer subject-centred sensitivity (scene 3). The exhibition takes its cue from Paul B. Preciado’s biopolitical theory that the form of power in today’s society is ›pharmacopornographic‹: the way humans are subjectivized, he claims, operates on one level via pharmaceuticals (i.e. medicines, hormones, stimulants, tranquilizers, narcotics, etc.). On another level, today’s form of power functions via arousal, meaning not only the porn industry but also other social mechanisms that obey the masturbatory logic of ›arousal – frustration – arousal‹. These regulatory mechanisms are applied to the sensitive flesh in its nervous exposure, sensibility and vulnerability.
The artworks in the show highlight the links between power, illness, sex, excessive sensitivity and art. They focus attention on the involuntary and the obsolete, and question politics of affect-based address. As well as works from the 1960s and 1980s, the exhibition features mainly contemporary work addressing those areas in art and life that are not subject to choice, outside the individual’s scope for action. Frailty, ageing, exhaustion and mortality, but also birth, vulnerability and the capacity for arousal are understood here as phenomena of radical passivity, as an artistic critique of the supposedly governability of corporeal being.

Ein Teil der Ausstellung wandert in die Galerie der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig (22. Okt. 2020 – 7. Jan. 2021). Part of the exhibition will travel to the gallery of the Academy of Fine Arts, Leipzig (Oct 22, 2020 – Jan 7, 2021).


Berliner Förderprogramm Künstlerische Forschung

Die gkfd freut sich bekannt zu geben, dass die Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa ab 2020 ein neues umfangreiches Förderprogramm aufgesetzt hat, um die künstlerische Forschung in Berlin durch die Vergabe von Stipendien zu stärken und den Austausch zwischen forschenden Künstlerinnen und Künstlern zu unterstützen. Die Senatsverwaltung reagiert damit auf das wachsende Interesse an künstlerischer Forschung und die zunehmende Bedeutung von Kunst für das Wissen in der Gesellschaft. Während in den letzten Jahren – vor allem international – Promotionsprogramme für Künstlerinnen und Künstler entstanden sind, macht es sich das Berliner Förderprogramm zur Aufgabe, Forschungsprojekte unabhängig von den Kunsthochschulen zu fördern und Künstlerinnen und Künstlern abseits von Qualifizierungsprogrammen Freiräume des Forschens zu eröffnen. 

Gefördert werden Forschungsvorhaben aus allen Bereichen der Kunst sowie spartenübergreifende Projekte. Das Berliner Förderprogramm richtet sich an Personen und Gruppen, die sich durch ihre bisherige Arbeit im Feld der künstlerischen Forschung profiliert haben und sich an einer transdisziplinären Auseinandersetzung über die Grundlagen und die Weiterentwicklung forschender Praktiken in den Künsten beteiligen wollen.

Für die Förderjahre 2020/21, die im Januar 2020 ausgeschrieben wurden, sind insgesamt 357 Anträge aus den Bereichen Bildende Kunst, Film/Video, Literatur, Musik, Tanz, Theater sowie transdisziplinäre Projekte eingegangen.

Aus diesen empfahl eine unabhängige Jury insgesamt 13 Bewerbungen zur Förderung. Der Jury gehörten in diesem Jahr Alex Arteaga, Elise von Bernstorff, Iris Dressler, Kirsten Reese und Clemens von Wedemeyer an.

Stipendiat*innen des Berliner Förderprogramms Künstlerische Forschung für 2020/21 sind: 

Rheim Alkadhi, Mareike Bernien & Alexandra Gerbaulet, Marianna Christofides, Anke Dyes, Maria Eichhorn, Miriam Jakob & Jana Unmüßig, Christoph Keller, Katrin Mayer, Kamila & Jasmina Metwaly, Fehras Publishing Practices (Kenan Darwich, Omar Nicolas & Sami Rustom), Doireann O’Malley, Stefan Römer, Anna Zett & Hermann Heisig.

Die Ausschreibung für das Berliner Förderprogramm Künstlerische Forschung 2022/2023 wird – vorbehaltlich der Zusage der Mittel durch den Berliner Senat – im Frühjahr 2021 veröffentlicht.

http://kuenstlerischeforschung.berlin